Haltung

Papageienvolière in der Schweiz — rechtliche Anforderungen und Praxistipps

Welche Volière braucht Ihr Papagei? Mindestmasse nach Schweizer Tierschutzgesetz, empfohlene Grössen und Materialempfehlungen für jede Papageienart.

Veröffentlicht am 16. Juni 2025

Papageienvolière Schweiz — artgerechte Haltung mit Freiflug

Was das Schweizer Tierschutzgesetz für Papageienvolièren vorschreibt

Die Tierschutzverordnung (TSchV) schreibt für Papageien klare Mindestmasse vor, die je nach Körperlänge der Art gestaffelt sind. Diese Mindestmasse sind als absolute Untergrenze zu verstehen — aus tierschützerischer Sicht sollten Volièren deutlich grösser sein. Das BAFU (Bundesamt für Umwelt) und die kantonalen Veterinärbehörden kontrollieren die Einhaltung.

Kleine Papageien (bis 25 cm, z.B. Konure, Sittiche)

Mindest: 80 × 40 × 60 cm für 2 Tiere. Empfehlung: mindestens 120 × 60 × 100 cm mit täglich Freiflug.

Mittlere Papageien (25–40 cm, z.B. Amazone, Edelpapagei, Graupapagei)

Mindest: 100 × 60 × 100 cm. Empfehlung: 150 × 80 × 150 cm oder begehbare Volière.

Grosse Papageien (über 40 cm, z.B. Gelbbrustara, Kakadu)

Mindest: 150 × 100 × 200 cm. Empfehlung: begehbare Innen-/Aussenvolière mit Schutzraum.

Sehr grosse Papageien (Hyazinth-Ara)

Mindest: 200 × 120 × 220 cm. In der Praxis: grosszügige begehbare Volière mit Flugkorridor.

Materialien und Konstruktion

Nicht alle Materialien sind für Papageien sicher. Die Wahl des Materials beeinflusst Langlebigkeit, Reinigbarkeit und Sicherheit.

Edelstahl (V4A)

Ideales Material: rostfrei, langlebig, leicht zu reinigen und nicht toxisch. Teurer in der Anschaffung, aber die beste Investition für Grosspapageien.

Verzinktes Geflecht

Günstiger, aber umstrittener. Neue Gitter können Zinkablagerungen enthalten — vor der ersten Nutzung mit Essigwasser reinigen und vollständig trocknen lassen. Bei starken Nagern (Aras) nicht empfohlen.

Pulverbeschichtetes Stahl

Gute Alternative: pulverbeschichtete Stahlgitter in Lebensmittelqualität sind sicher und optisch ansprechend. Überprüfen Sie die Zertifizierung des Herstellers.

Holzrahmen

Nur für Volièren im Innenbereich. Nicht für starke Nager — Aras und Kakadus zerstören Holz innerhalb von Tagen.

Einrichtung der Volière

Eine gut eingerichtete Volière ist genauso wichtig wie ihre Grösse. Naturäste verschiedener Stärken als Sitzstangen (Hasel, Birke, Obstbäume — keine Eibe oder Koniferen). Mehrere unterschiedliche Sitzstangenhöhen. Hängende Spielzeuge, Schaukeln, Nagehölzer. Futter- und Wasserstation erhöht, täglich frisch. Kein Kontakt zwischen Futter und Kot.

Innen- vs. Aussenvolière

Aussenvolièren sind für Papageien aus tropischen Regionen nur in der Sommerzeit geeignet. Die Tierschutzverordnung schreibt einen beheizten Schutzraum vor, wenn die Aussentemperatur unter 10 °C fällt (artspezifische Schwellenwerte beachten). Innenvolièren sind ganzjährig nutzbar — wichtig ist dort ausreichend Licht (idealerweise Tageslichtlampen mit UV-Anteil).

Was Volièren in der Schweiz kosten

Einfache Innenvolièren für Konure beginnen bei CHF 200–400. Mittelgrosse Qualitätsvolièren für Amazonen oder Graupapageien kosten CHF 600–1'800. Massgeschneiderte begehbare Edelstahlvolièren für Aras beginnen bei CHF 2'500 und können je nach Ausstattung CHF 8'000+ kosten. Wir beraten Sie gerne bei der Volièrenplanung vor der Adoption.

Häufige Fragen

Muss ich die Volière vor dem Kauf einrichten?+

Unbedingt. Wir empfehlen, die Volière mindestens 2 Wochen vor der Ankunft des Vogels aufzustellen und einzurichten — so kann sich der Papagei von Anfang an orientieren.

Welche Holzarten sind als Sitzstangen sicher?+

Hasel, Birke, Apfel, Kirsche, Buche und Weide sind sicher. Gefährlich: Eibe, Stechpalme, Robinie (jung), alle Koniferen. Im Zweifel beim Tierarzt nachfragen.

Darf ich einen Papagei ohne Volière halten?+

Nein. Das Tierschutzgesetz verlangt eine Grundvolière als Rückzugsort und Schlafplatz, auch wenn der Vogel tagsüber frei fliegt.

Wie oft muss ich die Volière reinigen?+

Täglich: Kotboden wechseln, Wasser frisch füllen, Frischkost entfernen. Wöchentlich: Sitzstangen säubern, Spielzeug prüfen. Monatlich: gründliche Desinfektion mit vogelgerechtem Mittel.

Was kostet eine gute Papageienvolière in der Schweiz?+

Für Konure: CHF 200–600. Mittelgrosse Arten (Amazone, Graupapagei): CHF 600–2'000. Grosse Aras und Kakadus: CHF 2'500–15'000 für begehbare Edelstahlvolièren. Für Hyazinth-Aras sind spezialangefertigte Volièren erforderlich — Kosten auf Anfrage.

Sind verzinkte Gitter sicher für Papageien?+

Ältere, bereits oxidierte Gitter sind nach dem Reinigen meist unbedenklich. Neue verzinkte Gitter können Zinkrückstände enthalten — vor der ersten Nutzung gründlich mit Essigwasser abwaschen und trocknen lassen. Für starke Nager (Aras, Kakadus) empfehlen wir Edelstahl V4A.

Wie viel Platz braucht eine Volière für einen Graupapagei wirklich?+

Das gesetzliche Minimum ist 100 × 60 × 100 cm — das ist zu klein für artgerechte Haltung. Für einen Graupapagei empfehlen wir mindestens 150 × 80 × 150 cm plus täglichen Freiflug von mehreren Stunden in einem gesicherten Zimmer.

Kann ich eine gebrauchte Volière kaufen?+

Ja, wenn sie gründlich desinfiziert werden kann, keine Rostspuren oder beschädigten Gitterstäbe aufweist und keine giftigen Beschichtungen enthält. Volièren früherer Papageien können Krankheitserreger enthalten — vollständige Desinfektion mit vogelgerechtem Mittel (kein Chlor) ist Pflicht.

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